„Miteinander der Generationen im Quartier“ 2. Hessischer Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau

Die Preisträger

Minister Tarek Al-Wazir besuchte im Rahmen seiner diesjährigen Sommerreise auch die Preisträger des 2. Hessischen Preises für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau und überreichte vor Ort die Urkunden. Die Jury hatte für das Miteinander der Generationen im Quartier drei gleichwertige erste Preise à 20.000 Euro verliehen und zudem drei Anerkennungen ausgesprochen.

Langen erhält den 1. Preis für das Vorhaben „Anna Sofien Höfe“ der Baugenossenschaft Langen. Hier handeltes sich um eine Ersatzbebauung für ein Bestandsquartier aus den 1950er Jahren, die nun Gemeinschaftseinrichtungen miteinschließt, z.B. die Anlaufstelle des Vereins „Haltestelle“, Gästeapartments und eine gemeinsame Dachterrasse. All das wird realisiert, ohne dass die Mieten erhöht werden.

Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau
Preisverleihung in Langen

Allendorf (Lumda) erhält einen 1. Preis für das von der Kommune eingereichte Vorhaben „Hand in Hand - Neue Altstadt“. Eine genossenschaftliche Initiative für generationenübergreifendes Leben engagiert sich für eine altersgerechte Umgestaltung der Ortsmitt im historischen Kern einer kleinen Stadt im ländlichen Raum. Dabei wird die historische Bausubstanz incl. leerstehender Scheunen über Ankauf, Umbau, Vermietung und Beratung neu genutzt und umgebaut. In Allendorf kommt dabei den privaten Grundstücken eine tragende Rolle zu: Sie sollen künftig ohne Zäune durchlässig und schwellenlos als Bürgergarten genutzt werden.

Preisverleihung Allendorf (Lumda)
Preisverleihung in Allendorf (Lumda)

Weimar (Lahn) erhält den 1. Preis für den Projektverbund „Gut Wohnen im Alter“, den die Hofgemeinschaft für Heilende Arbeit e.V., ein gemeinnütziger Träger für integrative Projekte, in Kooperation mit der Kommune eingereicht haben. Hier sollen die dörflichen Kerne mehrerer Ortsteile von Weimar sukzessive demografiegerecht und integrativ umgestaltet werden. Neben der Sicherung der Alltagsversorgung stehe vor allem die Schaffung von bedarfsgerechten, differenzierten Wohnangeboten in umgebauten Hofreiten für alle Bewohnergruppen im Fokus. In einem Wettbewerb sollen zudem Lösungen für die baukulturell anspruchsvolle Aufgabe gefunden werden, den dörflichen Gebäudebestand um neue Wohngebäude zu ergänzen. Außerdem soll ein Bürgerhaus aus den 80er Jahren mit den typischen baulichen Merkmalen dieser Bauzeit zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden.

Preisverleihung Weimar
Preisverleihung in Weimar

Drei Anerkennungen à 5.000 Euro für ihre ebenfalls interessanten Vorhaben erhalten die Beiträge der

  • Baugesellschaft Hanau mit Maßnahmen im Wohnumfeld und im Erdgeschoss des Hafenquartiers.
  • ferner die MQ Projektentwicklungsgesellschaft für Vorhaben im Martini Quartier in Kassel, die zum Entstehen einer Quartiersmitte für Alle beitragen sollen und schließlich
  • die private Campus Freistil GmbH für ein inklusives Wohnquartier in Rüdesheim, das sie in Kooperation mit gemeinnützigen Trägern realisiert.

Dokumentation erschienen

Dokumentation 2. Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau
Dokumentation 2. Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau

Quartiersentwicklung und Wohnungsbau müssen aktuell einer alternden und vielfältigeren Bevölkerung, neuen Lebensentwürfen und dem Bedürfnis nach Nachbarschaft, nach Gemeinschaft und Inklusion gerecht werden. Sie sollen adäquate Wohnformen und eine hohe Lebensqualität drinnen wie draußen bieten. Dies gilt für künftige Quartiere wie auch für bestehende Quartiere oder Wohnsiedlungen, für urbane Viertel oder Siedlungen wie auch für gewachsene Ortskerne als Quartiere im ländlichen Raum. Dazu gehören Maßnahmen, die z.B. das Wohnumfeld kommunikativer und barrierefrei gestalten, Maßnahmen, die Erdgeschosszonen für die Gemeinschaft nutzbar machen und beleben oder aber Angebote und Dienstleistungen im Quartier, die z.B. älteren Mitbürger*innen Teilhabe ermöglichen.

Hier setzt der Hessische Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau, der 2020 bereits zum 2. Mal ausgelobt wurde, thematisch an. Ausgezeichnet wurden innovative Quartiersentwicklungen in großen wie kleinen Städten, die in diesem Sinn erschwinglichen, bedarfsgerechten und attraktiven Wohnraum bieten. Auch das Miteinander der Bewohnerinnen und Bewohner, die Nachbarschaft und ein entsprechend gestaltetes Wohnumfeld spielen dabei eine wichtige Rolle.

Das Land wird gute Beispiele für „Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau“ weiter im Blick haben und den Hessischen Preis voraussichtlich 2021/2022 zum 3. Mal ausloben, wobei das genaue Thema noch nicht feststeht.

Die 2020 eingereichten Beiträge haben einen vielfältigen Maßnahmen- und Ideenpool geliefert, durch den der eine oder andere private oder gemeinnützige Träger wie auch öffentliche Wohnungsbauunternehmen angeregt werden können, derartige Maßnahmen umzusetzen.

Die Dokumentation stellt die acht Beiträge vor, die von der Jury für die finale Auswahlrunde nominiert worden waren. Angereichert wird die Dokumentation durch ein Interview mit Dr. Robert Kaltenbrunner und Prof. Constanze Petrow sowie durch Fachbeiträge zur zukunftsweisenden Quartiersentwicklung, von Natalie Schaller (Vernetzung und Nachbarschaften von Beginn an »Konsortiale Quartiersentwicklung« am Beispiel des Prinz Eugen Parks in München), von Dr. Maren Heincke (Besonderheiten der Gemeinwesenarbeit in ländlichen Räumen) und von Bertram Kasper (Wie sich die »jungen Alten« neu erfinden: Utopien und Pioniergeist sind gefragt!).

Zur Dokumentation

zurück