Multilokales Wohnen

Die Veränderung der Arbeitsstrukturen beeinflusst auch das Wohnen. Einerseits wird das Arbeiten am privaten Schreibtisch zum Normalfall, andererseits führt die geforderte umfassende Flexibiltät der Arbeitnehmer zu einem Leben an zwei oder mehr Orten, auch temporäres Wohnen stellt eine Möglichkeit dar, diesen Anforderungen zu begegnen. Beides gehört heutzutage für viele Menschen zum Alltag. Kennzeichen des „mehrortigen“ oder „multilokalen“ Wohnens und Lebens ist, dass diese Personen an mindestens zwei Standorten Wohnraum in Anspruch nehmen und Mobilität einen besonders hohen Stellenwert einnimmt. Am „normalen“ Wohnungsmarkt, insbesondere der Ballungsräume mit vielfältigem Arbeitsplatz- und Bildungsangebot, sind diese Nachfrager eine wachsende Gruppe. Unter anderem sind spezialisierte Angebote wie Mikroapartments gefragt, Boarding houses oder Internetplattformen der Wohnraumvermittlung stellen sich zunehmend auf die Wünsche dieser Kunden ein. 

Multilokales Leben mit zwei oder mehr „Stützpunkten“ hat nicht nur Auswirkungen auf das Wohnungsangebot, sondern auch auf das Zusammenleben durch An- und Abwesenheiten in den Familien und Haushalten, auf Nachbarschaften, Freundschaften, auf Vereinsarbeit und Engagement in der politischen Kommune. Da die „Multilokalen“ ihren Alltag an mehreren Orten organisieren, entstehen zusätzliche Bedürfnisse außerhalb der Wohnung: Technische Medien vermitteln soziale Beziehungen und ersetzen oder simulieren Präsenz, Concierge-Dienste und spezielle Dienstleistungsangebote im Quartier sind gefragt. Diese veränderten Lebensstile finden vielfach jedoch noch nicht ihre räumlich adäquate Entsprechung auf dem Wohnungsmarkt oder in der Quartiersentwicklung. 

Das Bundesamt für Bau-, Raum- und Stadtforschung (BBSR) bietet Informationen zu diesem Thema.