Innenentwicklung und behutsame Nachverdichtung

Nachhaltige Innenentwicklung in Hessen: Ein strategisches Ziel - in der Metropolregion ebenso wie im Ländlichen Raum

Um den zunehmenden Flächenverbrauch einzudämmen und zugleich neue Wohnungen bauen zu können, ist es sinnvoll, durch Innenentwicklung und behutsame bauliche Nachverdichtung bestehende Strukturen zu ergänzen. So kann die vorhandene Infrastruktur besser ausgelastet, neue ergänzt und Freiräume erhalten und entwickelt werden. Dies ist nicht nur ein strategisches Ziel für Verdichtungsräume, auch im Ländlichen Raum können so lebendige Ortskerne erhalten werden.

Leitfaden zur Nachhaltigen Innenentwicklung

Wie kann Nachverdichtung in den am Wohnungsmarkt stark nachgefragten Kommunen gelingen? Gute Beispiele und individuelle Lösungen zeigt der Leitfaden zur nachhaltigen Innenentwicklung auf, der auf einen Maßnahmevorschlag der 'Allianz für Wohnen in Hessen' zurückgeht. Nachverdichtung ist innerhalb des gegebenen gesetzlichen Rahmens vielfach möglich, wird aber manchmal durch unnötig enge Auslegungen, komplizierte Eigentumsverhältnisse, Altlasten, Zuschnitt und Topografie erschwert. Zugleich sind Freiräume zu erhalten, die für frische Luft in Städten sorgen, und damit ökologisch und klimatisch bedeutsam sind. Hilfreich können hier für kommunale Verwaltungen, PlanerInnen und Akteure der Wohnungswirtschaft praxisorientierte Grundlageninformationen zur Herangehensweise und zu Spielräumen bei Nachverdichtungsprojekten sein.

Der Leitfaden gibt z.B. Empfehlungen zur Handhabung des § 31 Abs. 2 Baugesetzbuch (BauGB) oder des § 34 Abs. 3a BauGB (Abweichung vom Erfordernis des Einfügens in die Eigenart der näheren Umgebung) geben. Auch Erläuterungen zur geplanten neuen Gebietskategorie „Urbanes Quartier“ sind enthalten. Diese neue Kategorie kann ggf. Wohnlagen an immissionsschutzrechtlich belasteten Orten vereinfachen. Ein weiteres Thema des Leitfadens ist die Überschreitung der Obergrenzen des Maßes der baulichen Nutzung aus städtebaulichen Gründen sein (§ 17 Abs. 2 Baunutzungsverordnung (BauNVO). 

Abschlussbericht: Potenziale für zusätzlichen Wohnraum im Siedlungsbestand der 50er- bis 70er-Jahre

Der Regionalverband Frankfurt RheinMain unterstützt ebenfalls die Kommunen darin, Wohnungsbedarf auch durch Schließen von Baulücken und eine dichtere Bebauung zu decken. Im Rahmen eines Förderprojekts des Bundesumweltministeriums zum klimagerechten Flächenmanagement hat der Regionalverband zusammen mit den Städten Bad Homburg v.d.H. und Frankfurt am Main Wohnraumpotenziale innerhalb des locker bebauten Siedlungsbestands der 50er-, 60er- und 70er-Jahre untersucht. Am Beispiel von Zeilenbau- und Großwohnsiedlungen sowie älteren Einfamilienhausgebieten wird modellhaft aufgezeigt, wie eine zusätzliche Bebauung in den Bestand integriert werden könnte. Für den Siedlungstyp der Zeilenbausiedlungen wurden außerdem Ideen entwickelt, wie einhergehend mit der baulichen Verdichtung der Freiraum so aufgewertet werden kann, dass die Akzeptanz für die Nachverdichtung gefördert wird. Der Abschlussbericht "Potenziale für zusätzlichen Wohnraum im Siedlungsbestand der 50er- bis 70er-Jahre. Ergebnisse eines Modellprojektes für ein klimagerechtes Flächenmanagement"steht als pdf  zur Verfügung. 
Ebenso hat der Regionalverband ein webbasiertes GIS-Werkzeug entwickelt, mit dem automatisiert Karten erstellt werden können, die flurstücksbezogen Baulücken und geringfügig bebaute Grundstücke darstellen.

"Besser Bauen in der Mitte" - Handbuch der Bundesstiftung Baukultur

Die Bundesstiftung Baukultur hat ein Handbuch zur Innenentwicklung herausgebracht: Dieses informiert über planerische Strategien und Instrumente, mit denen der eigene Ort für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit wieder attraktiv wird. Anhand guter Beispiele werden die Möglichkeiten erläutert, zwei Projekte aus Hessen sind dabei – die Stadterneuerung in Eschwege sowie die Erich-Kästner-Grundschule in Darmstadt.

Innenentwicklung abseits der Verdichtungsräume: Leitfaden zur Innenentwicklung - für Kommunen, Ortsbeiräte und aktive Bürgerinnen und Bürger

Die Innenentwicklung stellt auch in Kommunen des ländlichen Raums eine wichtige Strategie dar. Mit der Entdeckung und Aktivierung innerörtlicher Potenziale können Orte langfristig lebensfähig erhalten werden, junge und ältere Menschen werden durch neue Perspektiven zum Bleiben in den Gemeinden ermutigt. Voraussetzung dafür ist in der Regel eine umfassende Beteiligung der Bürger. Einen Leitfaden zur Innenentwicklung - für Kommunen, Ortsbeiräte und aktive Bürgerinnen und Bürger - hat beispielsweise 2016 der Landkreis Kassel (Servicezentrum Regionalentwicklung) herausgegeben.

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